Türchen #6 Drauß vom Walde…

…komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Wer kennt es nicht? Das Gedicht von Theodor Storm gehört zu den Gedichten, wenn es um den Nikolaus geht. Lena und ich haben uns überlegt, dass wir Euch heute mitnehmen auf eine kleine Reise hin zu den verschiedenen Bräuchen und Mythen rund um den Nikolaus.

Beginnen möchten wir mit der Suche nach dem historischen Ursprung von Nikolaus. Wer war dieser Nikolaus? Und warum bekommen unsere kleinen und großen Kinder heute Geschenke vom Nikolaus?

Zum einen gilt Nikolaus von Myra als Schutzpatron der Seeleute, da er in seinem Leben mehrere vor dem Tod gerettet hat. Andererseits konnte er die Menschen in einer großen Hungersnot retten und gilt seit dem 16. Jahrhundert als Gabenbringer für die Kinder. Daher kommt auch der Brauch bei uns, dass die Kinder am 05. Dezember abends Ihren Stiefel vor die Tür stellen, der dann vom Nikolaus gefüllt wird.

Aber wie ist es in anderen Ländern? Unsere Reise geht weiter…

…und führt uns nach Österreich. Dort könnt Ihr am Nikolaus Tag oder auch kurz davor auf „Krampusse“ treffen. Als Krampus bezeichnet man den oftmals eher Furcht einflößenden Begleiter von dem Nikolaus. Wenn Ihr derzeit in Österreich unterwegs seid, schaut doch mal auf einem solchen „Krampusumzug“ vorbei? Die traditionellen Masken und Gewänder werden in Handarbeit hergestellt und es ist sicherlich ein Spektakel. Nähere Infos findet Ihr beispielsweise unter http://www.salzburg.info.

Wir wollen aber noch etwas weiterreisen und uns den Brauch in Luxemburg näher anschauen. In Luxemburg ist der 06. Dezember sogar schulfrei und der Nikolaus wird als „Klees´chen“ bezeichnet. Die Kinder stellen nicht nur Ihre Stiefel raus, sondern auch Kekse und andere Süßigkeiten für den Nikolaus – das ist doch eine goldige Idee, oder was meint Ihr?

Von Luxemburg aus, machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Frankreich. Dort findet jedes Jahr in Sain-Nicolas-de-Port ein großer Umzug und anschließend eine große Messe zu Ehren vom Nikolaus statt. Die Menschen zünden Kerzen an und gedenken so den guten Taten von Nikolaus.

Ihr seht, es gibt sehr unterschiedliche Bräuche aber überall wird daran gedacht, dass Nikolaus sich zu Lebzeiten für seine Mitmenschen eingesetzt hat.

Wir wünschen Euch und Euren Lieben heute einen schönen Nikolaustag und möchten Euch zum Schluss noch das Gedicht  von Theodor Fontane mit auf den Weg geben:

Ruprecht:

Habt guten Abend, alt und jung,
Bin allen wohl bekannt genung.

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor;
Und wie ich so strolcht‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:

»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt‘ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus,
Such mir die guten Kinder aus,
Damit ich ihrer mag gedenken,
Mit schönen Sachen sie mag beschenken.«

Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.«
– »Hast denn das Säcklein auch bei dir?«
Ich sprach: »Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.«
– »Hast denn die Rute auch bei dir?«
Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.«
Christkindlein sprach: »So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!«

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Vater:

Die Kinder sind wohl alle gut,
Haben nur mitunter was trotzigen Mut.

Ruprecht:

Ei, ei, für trotzgen Kindermut
Ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?

Vater:

Wie einer sündigt, so wird er gestraft;
Die Kinder sind schon alle brav.

Ruprecht:

Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
Lesen und schreiben und rechnen genug?

Vater:

Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
Wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.

Ruprecht:

Beten sie denn anch altem Brauch
Im Bett ihr Abendsprüchlein auch?

Vater:

Neulich hört ich im Kämmerlein
Eine kleine Stimme sprechen allein;
Und als ich an die Tür getreten,
Für alle Lieben hört ich sie beten.

Ruprecht:

So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
Probiert einmal von seinen Gaben,
Morgen sollt ihr was Besseres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
Nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

(https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/ruprecht.htm)

Habt es weihnachtlich,

Lena und Sarah

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