Vereinbarkeit – warum denn eigentlich?

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank an alle, die meinen Neustart gelesen haben! Das freut mich sehr! Da es draußen gerade stürmt, meine Tochter Mittagsschlaf macht und wir heute Morgen schon fleißig die Weihnachtsdeko weggeräumt haben, nutze ich nun die Zeit für einen weiteren Blogbeitrag. Hierbei würde ich Euch gerne erzählen, warum mich das Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf nicht mehr loslässt und was mich daran stört: denn wieso muss ich denn überhaupt Familie und Beruf vereinbaren? Warum ist beides nicht selbstverständlich? Aber dazu später mehr…

Wie Ihr in „Über mich“ vielleicht gelesen habt, bin ich studierte Ostasienwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Japanologie. Danach habe ich noch meinen Master of Business Administration gemacht und bin darüber letztendlich in der IT Branche gelandet. Gelandet, da ich mir zu Abi Zeiten nie hätte vorstellen können in dieser Branche unterwegs zu sein aber so spielt das Leben. Mittlerweile kann ich mir keine spannendere und abwechslungsreichere Branche vorstellen und bin sehr glücklich mit meiner Arbeit. Im Mai 2015 kam dann schließlich unsere erste Tochter zur Welt und schon im Oktober 2014 wurde ich mit der Vereinbarkeit konfrontiert. Habt Ihr jetzt Fragezeichen auf der Stirn? Ich hatte diese definitiv. Und gleich vorab: wir wohnen nicht in einer pulsierenden Großstadt, sondern auf dem Land….und hier auf dem Land wurde mir gerade mal im vierten Monat schwanger bewusst, dass ich handeln muss, wenn ich nach der Elternzeit wieder arbeiten gehen möchte. So meldete ich schließlich Anfang Dezember 2014 meine ungeborene Tochter für die Kindertagesstätte an. Verrückt oder? Wenn man genau darüber nachdenkt auf jeden Fall aber sicherlich wissen die Eltern unter Euch genau von was ich spreche. Mittlerweile ist es ja so, dass man am besten direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest eine Hebamme sucht und dann anschließend daran eine Kita – wenn man möchte. Das ist mir sehr wichtig direkt an dieser Stelle zu betonen: jede Familie muss für sich selbst entscheiden, ob und wann das eigene Kind in eine Betreuung geht!!

Im Mai 2016 kehrte ich dann voller Elan und Energie zurück in meinen Job. Ich habe das große Glück flexible Arbeitszeiten zu genießen, die Möglichkeit Home Office zu machen und eine Unternehmenskultur genießen zu dürfen, die das Gelingen von Familie und Beruf fördert! Darüber bin ich mehr als dankbar und glücklich – daher auch mein großer Wunsch diese Möglichkeiten der Vereinbarkeit und die Chancen, die sich durch die Digitalisierung ergeben, zu verbreiten. Aber nicht nur dadurch: denn immer wieder stieß ich auch auf „komische“ Begegnungen und Fragestellungen: „wie machst Du das denn, wenn Du arbeitest?“, „wie Du bist manchmal über Nacht nicht da – funktioniert das?“ oder auch „wie Du kannst Home Office machen? Davon träume ich“ oder „bei uns gibt es Kernzeit und jedes Mal wenn mein Kind krank ist, muss ich somit Urlaub nehmen oder Gleitzeit oder mich krankschreiben lassen“ Und das im Jahr 2016? All diese Fragestellungen lassen mich nicht mehr los und die verschiedenen Aspekte darin beschäftigen mich. Zum einen, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau anscheinend immer noch nicht ausgeglichen ist. Hierzu ein Auszug aus der OECD Studie „Dare to share“:

  • 70 Prozent der Mütter sind erwerbstätig
  • 30 Prozent der Mütter arbeiten Vollzeit, fast 40 Prozent in Teilzeit
  • die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 20 Stunden
  • bei Paaren mit Kindern steuert die Frau im Schnitt 22,6 Prozent zum Familieneinkommen bei

Die Zahlen beziehen sich auf 2014. Entnommen habe ich die Daten aus dem folgenden Artikel (Alte Rollenmuster und Teilzeitfalle; Erwerbstätige Mütter sind in Deutschland benachteiligt; 22.02.2017, 08:23 Uhr | dpa, gefunden auf T-Online.de)

70% sind erwerbstätig – das finde ich eine sehr hohe Zahl, auch wenn in vielen skandinavischen Ländern mehr Mütter erwerbstätig sind. Aber nur 22,6 Prozent tragen wir im Durchschnitt zum Familieneinkommen bei! 22,6 Prozent! Diese Zahl erschreckt mich – was bedeutet das für unsere Renten, für unsere Absicherung im Scheidungs- oder Todesfall? Und noch viel wichtiger, was bedeutet das für das gesamte Thema der Vereinbarkeit?

Ein weiterer Aspekt, der mich nicht mehr loslässt sind die Schlagwörter „Kernzeit“, „im Home Office wird eh nichts gearbeitet“ oder auch die Fragestellung, wie die Vereinbarkeit für Familien aussieht, in denen beide in Schicht arbeiten?

All diese verschiedenen Aspekte und Themen der Vereinbarkeit möchte ich mir in der kommenden Zeit gemeinsam mit Euch erarbeiten. Dazu werde ich Euch auch immer wieder Studien oder Bücher vorstellen, die vielleicht auf den ersten Blick gar nichts mit der Vereinbarkeit zu tun haben aber dennoch sehr spannende Ideen und Möglichkeiten beinhalten.

Aber nun nochmal zum Anfang – warum muss man denn überhaupt Familie und Beruf vereinbaren? Sollte das nicht selbstverständlich sein? Kennt Ihr den Satz „Man braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen?“ Seit ich selbst Mutter bin, verstehe ich den Satz sehr gut und stelle selbst öfters fest, dass mir das Dorf gerade fehlt 😉 Auch die Großfamilien, die es früher gab, sind heute selten geworden. Daher ist es „leider“ notwendig sich mit anderen Formen der Vereinbarkeit auseinanderzusetzen – es gibt nur noch selten Urgroßmütter oder Väter, die mit im Haus leben und auf die Kleinen aufpassen. Und die heutigen Omas und Opas – wenn diese denn in der Nähe wohnen – arbeiten oftmals selbst noch und können somit auch nicht immer alles stehen oder liegen lassen, sobald Not am Dorf ist. Daher ist es zwar dennoch mein Wunsch, dass es selbstverständlich ist aber leider in der Realität (noch) nicht möglich.

Bedingt durch meinen Beruf durfte ich im Jahr 2016 und 2017 verschiedene Initiativen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf kennenlernen – wie beispielsweise Erfolgsfaktor Familie, eine sehr gute Initiative von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (www.erfolgsfaktor-familie.de) Stöbert gerne etwas auf Ihrer Website, dort sind viele spannende Studien und auch tolle Beispiele für eine gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu finden.

Zum Schluss noch eine kleine Einladung: habt Ihr Lust von Eurer ganz eigenen Idee von Vereinbarkeit Familie und Beruf zu berichten oder von Euren alltäglichen Erlebnissen? Dann meldet Euch gerne bei mir – ich bin nämlich gerade am Überlegen eine kleine Reihe zu starten 🙂

Macht es gut und lasst Euch nicht wegpusten,

Sarah